Am Anfang, in den Siebzigerjahren, war es nicht mehr als ein schöner Traum der deutschsprachigen Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke. Wie wäre es, so fragten sich diese "Bücher-Übersetzer", die jahraus jahrein einsam an ihrem Schreibtisch arbeiten, wenn wir uns von Fall zu Fall zusammenfinden und miteinander arbeiten könnten?
Nicht unbedingt als Übersetzer-Team sondern in erster Linie, um Erfahrungen auszutauschen: Erfahrungen mit der eigenen und der fremden Sprache; die Tricks und Kniffe des Übersetzer- Handwerks: Was man wo nachschlagen oder erfragen kann. Oder die vielen "neuen" Wörter und Ausdrücke jeder Sprache, für die man Entsprechungen von ähnlicher Aktualität finden muß.
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Elmar Tophoven, 1923-1989 (links) und Dr. Klaus Birkenhauer, 1934-2001 (rechts) | |
Immerhin hatte es zur Zeit des Mittelalters, im spanischen Toledo, ein Beispiel für die Fruchtbarkeit solcher Zusammenarbeit gegeben: Damals übersetzten dort ganze Teams von Sprachkundigen die nur noch auf arabisch erhaltenen griechischen Klassiker ins Lateinische.
Zwar arbeiteten sie in kleinen Gruppen durchaus an verschiedenen Büchern; aber da sie ihre individuellen Erkenntnisse austauschen konnten, ging ihnen die Arbeit leichter von der Hand und erreichte - man wußte ja immer, was die Kollegen taten - ein gleichbleibend hohes Niveau.
Das war das historische Vorbild.
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Am 10. Januar 1978 wurde das "Europäische Übersetzer-Kollegium Nordrhein-Westfalen in Straelen e.V." vor allem auf Initiative des in Straelen geborenen Beckett-Übersetzers Elmar Tophoven und des damaligen Vorsitzenden des Verbands der literarischen Übersetzer Klaus Birkenhauer gegründet.
Ab August 1980 gab es ein provisorisches Haus in der Mühlenstraße mit sechs Zimmern und der ständig wachsenden Bibliothek. 1985 zog das EÜK um in sein heutiges, aus fünf ehemaligen Wohnhäusern bestehendes Gebäude in der Kuhstraße 15-17. Und seit Mai 1992 ist dieses Gebäude um ein benachbartes sechstes Haus erweitert, wo vor allem Seminar- und Fortbildungsveranstaltungen stattfinden.
Im Europäischen Übersetzer-Kollegium stehen damit auf über 2500 Quadratmetern Wohnfläche 30 komplett eingerichtete Appartements zum Wohnen und Arbeiten zur Verfügung. Neben Bibliotheks- und Tagungsräumen gibt es vollständig ausgestattete Küchen, in denen sich die Gäste selbst verpflegen.

Am 23. April 1989 verstarb Elmar Tophoven, dessen Vision eines Toledo II 1978 zur Gründung des weltweit ersten europäischen Übersetzerkollegs in Straelen führte. Mitarbeiter und Freunde des Europäischen Übersetzer-Kollegiums Straelen gedenken des Begründers des EÜK in Dankbarkeit.
Informationen zu Leben und Werk Elmar Tophovens finden Sie [hier].
Lesen Sie auch den Beitrag von Michael Klatt "Wegbereiter für Brückenbauer" in der Rheinischen Post, Gelderland, vom 23. April 2009.
Eine Würdigung Elmar Tophovens von Dr. Josef Winiger finden Sie [hier]. Wir danken für die freundliche Erlaubnis, den Text verwenden zu dürfen.