Es ist eine große Ehre und eine noch größere Freude für mich, an dieser Preisverleihung teilnehmen zu dürfen.
Wenn „Genugtuung“ nicht so unbotmäßig klingen würde, wäre dieses Wort wohl noch viel passender als „Freude“ – „Genugtuung“ natürlich für Sie, liebe Frau Kleiner.
Bei dieser Gelegenheit ergeht mein ausdrücklicher Dank an die Jury, die aus den vielen hochkarätigen Einreichungen auswählen mußte und sich letztlich pro Nievo beziehungsweise pro Kleiner entschieden hat.
Man hat mich gebeten, von Verlagsseite ein paar Worte zum heutigen Festakt beizusteuern. Dieser Bitte komme ich gerne nach, auch wenn ich gestehen muß: Es fällt mir nichts Besseres ein, als die geschätzte Preisträgerin in den höchsten Tönen zu loben. Nun haben wir ja eine eigens dazu berufene Laudatorin unter uns, eine Laudatorin, die nicht nur viel geistreicher zu würdigen versteht, als ich es je könnte, nein, der man es schon von berufs wegen viel eher abnimmt als einem dahergelaufenen Verleger. Dennoch bitte ich um Verständnis dafür – ich muß mein „bravissimo“ einfach loswerden.
Als ihr langjähriger Lektor weiß ich es aus eigener Anschauung: An Barbara Kleiner ist vieles rühmenswert. Ihre Sprachbeherrschung, ihr Esprit und ihre Stilsicherheit bei der treuen Nachschöpfung dessen, was als Weltliteratur selbst an muttersprachliche Leser höchste Anforderungen stellt. Nicht minder löblich ist ihr genaues, nuancenreiches Formulieren, ihr Auf-den-Punkt-Bringen. Eine Barbara Kleiner läßt sich beim Lektorieren ihrer Übersetzungen nicht einwickeln und nicht überreden, nur überzeugen, und man tut als vermeintlicher Besserwisser von Profession gut daran, sich mit stichhaltigen Argumenten zu wappnen.
Um der Wahrheit die Ehre zu geben, liebe Frau Kleiner, muß ich ganz besonders Ihr Durchhaltevermögen auf der Langstrecke preisen, Ihre Arbeitsmoral, um nicht zu sagen: Ihren idealistischen Leichtsinn, sich gemeinsam mit mir auf ein so wahnwitziges Buchprojekt wie die „Bekenntnisse eines Italieners“ einzulassen. Einerseits war es grob fahrlässig von mir, Sie zur Übersetzung von Nievos „Riesenschlange“ angestiftet zu haben. Doch gibt es glücklicherweise noch ein Andererseits. Und wegen dieses Andererseits haben wir uns heute versammelt, um Sie, liebe Frau Kleiner, hochleben zu lassen.
Seien Sie von ganzem Herzen beglückwünscht – zu Ihrer übersetzerischen Großtat und zum hoch verdienten Preis selbst.
Vielen Dank.